Warum #drosselkom auch uns Werber etwas angeht.17.05.2013
The Creative Exchange #313.05.2013
Hallo meine Leser, ich bin Godfrey. Der Kreativpraktikant aus dem Südsudan.
Heute schreibe ich über die Unterschiede. Arbeiten im Südsudan ist nicht leicht. Obwohl offiziell Frieden herrscht, gibt es Gebiete mit anhaltenden Aufständen und bewaffneten Übergriffen. Deswegen sind die Leute in vielen Regionen traumatisiert und vertrauen keinen Fremden. Auch keinen Südsudanesen aus anderen Regionen. Weswegen sie bevorzugt Klanmitglieder aus ihrer Region einstellen, was das Arbeiten im Südsudan sehr schwer macht.
Geschäfte im kleinen Stil, z.B. unter Privatleuten, boomen derzeit enorm. Nur leider ist die Absicherung in vielerlei Hinsicht nicht gegeben. Man muss z.B. Glück haben, den richtigen Steuersatz bezahlen zu dürfen. Und auch, diesen nicht mehr als einmal bezahlen zu müssen. Das macht Geschäfte zu einem unkalkulierbaren Unternehmen. Zudem sind viele Politiker oder staatliche Angestellte nicht ausreichend qualifiziert und ausgebildet für ihren Job, bleiben aber wegen ihrer ethnischen oder Klan-Zugehörigkeit im Amt.
Man gerät eher über Zufall in einen Job. Auch sind Ausbildungsqualität und -fokus sehr von den dort arbeitenden Menschen abhängig. Werbung ist bei uns noch sehr unterentwickelt, aber die Firmen nehmen es sehr ernst. Man hat erkannt, dass man ohne Werbung nichts oder weniger verkauft. Zudem ist Werbung sehr wichtig für das Image, weil wir noch sehr junge Marken haben und selbst die bekannten ausländischen Marken müssen erst einmal bekannt werden.
Die stärksten Werbungstreiber sind Telekommunikationsfirmen, wie z.B. Viva Cell, Zain und MTN. Auch Banken werben viel, wie z.B. KCB Equity Bank und Charter Bank. Weitere große Werbetreibende sind Firmen für Logistik, Humanitäres, Gesundheit und Erziehung.
Geworben wird zum größten Teil in Zeitungen, TV-Spots, Plakaten und im Radio. Dabei fokussieren sich die Firmen darauf, den Kunden zu sagen, wo, wann und wie man an das Produkt kommt. Meist mit einem Preis-/Kostenhinweis.
Im Vergleich zu Deutschland ist unsere Werbung direkter. Auch das Internet spielt noch kaum eine Rolle, weil es das bisher meist nur in Städten gibt. Und der Strom selbst dort nicht unterbrechungsfrei zur Verfügung steht. Darum bin ich ganz fasziniert, dass wir in Deutschland immer und überall online sein können. Ob am Computer im Büro oder mit Handy im Park. Das ist sehr schön, aber auch gefährlich. Weil man da sehr leicht verlockt wird zu viel im Internet zu sein. Zum Beispiel auf Facebook.
Das war’s für diese Woche, herzliche Grüße und Servus!
Godfrey
Comprix 2013: Zwei Männer – ein Statement10.05.2013
Serviceplan Health & Live sicherte sich Platz 3 im Kreativ-Ranking beim diesjährigen Comprix (nach Awards und Shortlistplätzen gewichtet) und zählt damit weiterhin zu den kreativsten Agenturen im Healthcare-Bereich. Reiner Kepler von Healthcare Marketing stellte Florian Bernsdorf (Geschäftsführer Beratung) und Mike Rogers (Geschäftsführer Kreation) folgende Fragen zum Comprix, dem größten und bedeutendsten europäischen Award im Healthcare-Bereich.
Laut Presse-Info wurde beim diesjährigen Comprix eine „wirklich hohe Qualität“ der Arbeiten festgestellt. Was sind die Kriterien für hohe Qualität in der Healthcare-Werbung (Unterscheidung nach Zielgruppen wie Ärzte, Patienten bzw. Segmenten wie Rx, OTC, Medizintechnik, sonstige Bereiche)?
ROGERS: Mein Eindruck ist, dass sich der Comprix dieses Jahr in der Tat wieder über sehr viele kreativ hochwertige Einreichungen freuen kann. Positiv ist zu sehen, dass nicht nur Top-Marken aus Deutschland, sondern auch große globale Marken beim Comprix vertreten sind – das finde ich begrüßenswert, denn es trägt im Zeitalter des globalen Marketings auch zur Bedeutung und Qualität des Comprix als einzigem deutschen Healthcare-Award bei. Aufgrund der guten und interessanten Arbeiten in allen Kategorien fanden die Diskussionen und Bewertungen in den Jurysitzungen auf sehr hohem Niveau statt, was mich besonders gefreut hat. Es zeigt, dass der Kreativdruck in unserer Branche steigt und alle gut performen wollen. Das kann dem Comprix und damit auch der ganzen Branche nur helfen.
Die Kriterien sind für mich weniger segmentspezifisch – eine gute Kampagne im Gesundheitsmarkt zeichnet sich für mich immer noch dadurch aus, dass sie einfach, schnell, wirksam und vor allem differenzierend die Positionierung und Kernkompetenz eines Produkts transportiert. Sie muss in den Köpfen unserer Zielgruppe für Unruhe sorgen, dann löst sie auch gewünschte Reaktionen bei der Zielgruppe aus. Dazu braucht sie eine klare und einfache “Big Idea”, die auf einem relevanten Key Insight basiert sowie handwerklich überraschend und exzellent umgesetzt ist – kreativ, medial oder digital.
Budgetkürzungen und global aus dem Ausland gesteuerte Kampagnen erschweren die Arbeit der Kreativen: Was ist in diesem engen Rahmen noch möglich?
BERNSDORF: Grundsätzlich ist die Diskussion über die kreative Adaption und die lokale Relevanz von Global Campaigns ehrlich gesagt etwas leidig, denn ich finde Sie nicht mehr zeitgemäß. Gerade weil wir von Agenturseite den Kunden praktikable Lösungsansätze für das Problem anbieten können. Mit unserem Global Network Indigenus bieten wir hierfür z. B. einen extra aufgesetzten Creative-Excellence-Process an, der insbesondere auf die Durchsetzungskraft einer global aufgesetzten Kampagne in den einzelnen Ländern ausgerichtet ist. Wir nennen das „Global Fusion Branding“. Mit diesem Prozess können wir nicht nur effizientere globale Kampagnen entwickeln, sondern bieten auch noch enorme Zeit- u. Kostenvorteile. Es wäre also sehr viel möglich, es muss nur angenommen werden – das erfordert aber auf Kundenseite eine demokratischere und qualitätsorientiertere Denke bei der Entwicklung von globalen Kampagnen. Das eigentliche Problem sind jedoch die Budgetkürzungen für die kreative Agenturleistung oder anders gesagt die enormen Investitionen primär zur Absicherung einer Kampagne vs. der Investition in die kreative Qualität. Solange das Budget für Marktforschung und Kampagnentests höher ist als für die eigentliche kreative Kampagnenentwicklung, werden wir keine Top-Kreation mehr sehen, denn sie wird einfach totgetestet.
Ich halte Kampagnentests für wichtig und manchmal sogar für sehr hilfreich. Aber das Verhältnis von Kreation und Marktforschung stimmt im Mitteleinsatz nicht mehr. Darüber hinaus werden wir uns alle – damit meine ich die Agenturen, aber letztendlich auch die Industrieseite – schwertun, für die zur Verfügung stehenden Budgets noch Top-Kreative zu finden, die heute in der Lage sind, die hochkomplexen und teilweise auch schwierigen Themen in herausragende Kreation umzusetzen, denn die Leute sind zu Recht sehr teuer und haben kein Interesse daran, ihre Arbeit von Marktforschungsinstituten “belanglos” und oft ohne Einfluss “glatt bügeln” zu lassen. Es ist also meiner Meinung nach nicht die Frage der Budgetkürzung, sondern eine Frage des richtig verteilten Budgeteinsatzes, um wieder global und lokal mehr kreative Kampagnen anstelle von mehr oder weniger austauschbar bebilderten Produktinformationen auf die Straße zu bekommen. Denn es ist die kreative Idee, die differenziert, und Differenzierung wird zunehmend noch wichtiger!
Hier sehe ich eine wichtige Funktion des Comprix, der eben genau die Kunden und Agenturen auszeichnen soll, die es schaffen, sich unter den oben aufgeführten Herausforderungen durch exzellente Kreativität herauszuheben. Es gibt diese Kunden und Agenturen und somit auch diese herausragenden Arbeiten. Also rauf mit ihnen auf die Bühne!
Welche Trends sehen Sie in der Healthcare-Werbung, was ändert sich aktuell?
BERNSDORF: Der große Trend, auf den im Augenblick alle aufspringen, heißt „Patient Centricity“. Der Gesundheitskunde bzw. der Patient wird noch stärker in den Fokus rücken. Damit verbunden wird Multichannel-Kommunikation noch mehr an Bedeutung gewinnen. Das schließt besonders auch Social Media mit ein. Dies hat aus meiner Sicht zur Folge, dass wir uns in Zukunft über ein völlig neues Qualitätsniveau in der Gesundheitskommunikation unterhalten – inhaltlich wie kreativ. Best Brands werden jene Marken sein, denen die Patienten vertrauen – der Schlüssel dazu wird exzellente Kreativität verbunden mit exzellentem Content sein!
Warum gewinnen Comprix-ausgezeichnete Arbeiten eigentlich nie bei anderen Kreativ-Awards einen Preis?
ROGERS: Grundsätzlich stehe ich dazu, dass sich die beim Comprix ausgezeichneten Arbeiten nicht verstecken müssen. Die kreative Qualität hat sich in den letzten Jahren wirklich enorm gesteigert. Dass Winner-Arbeiten beim Comprix bei anderen Wettbewerben nicht punkten, können wir nur teilweise so stehen lassen. Unser Anti-Raucher-Kalender für die AOK hat z. B. neben dem Comprix noch bei den global top angesehenen Awards EPICA und Eurobest Medaillen gewonnen. Das gilt für andere Arbeiten aus dem Comprix auch. Aber das sind dann eben auch herausragende Arbeiten.
Es ist schon richtig: Obwohl das Niveau beim Comprix hoch ist, muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass sich Kampagnen aus dem Pharmamarkt bei anderen Wettbewerben sehr schwer durchsetzen. Dazu reicht das Niveau oftmals noch nicht, und Pharma ist im Vergleich zu Auto oder Telekommunikation auch nicht sexy genug. Doch daran arbeiten wir alle – und der Comprix tut sein Bestes dazu!
Regionales Marketing hat große Zukunftschancen8.05.2013
Regionales Marketing wird von den meisten nationalen Werbetreibenden in seiner Bedeutung nach wie vor unterschätzt. Grund ist vor allem das vielfach begrenzte Wissen über die eigenen regionalen Kundenpotentiale und deren aktuelle Abdeckung durch nationale Kampagnen. Doch perspektivisch gesehen ist regionales Marketing einer der kommenden Wachstumsmärkte.
Funk und Out of Home sind derzeit sicher die Mediengattungen, die sowohl medial als auch in ihrer Vermarkter-Struktur schon am besten für regionales Marketing aufgestellt sind. In Zukunft wird aber auch TV als neuer regionaler Player in den Markt kommen: Das Fernsehen hat derzeit zwar noch gegen große politische Widerstände anzukämpfen, aber die ersten Tests mit regionalem TV, die wir bereits durchgeführt haben, waren mehr als erfolgversprechend. Mittelfristig sehe ich daher sehr gute Perspektiven für regionales Fernsehen.
Herausforderungen sehe ich im Bereich Print, insbesondere bei den regionalen Tageszeitungen: Inwieweit es ihnen gelingen wird, weiterhin Kunden zu überzeugen, wird vor allem vom Content abhängen: Sollten sie sich weiter darauf konzentrieren Kosten zu sparen, Redaktionen zusammenzulegen und nationale Inhalte von gestern zu veröffentlichen, werden sie es in Zukunft noch schwerer haben.
Auch Onlinemedien werden ihr regionales Angebot ausweiten: Die Bedeutung des Internets für den regionalen Werbemarkt steigt langsam aber stetig. Noch ist es nicht möglich, starke lokale Kampagnen rund um einzelne Händler zu fahren und auch die Bedeutung von digitalen Werbeflyern für den Handel ist noch sehr gering. Aber perspektivisch liegt hier ein großes Potential.
Wir haben 2012 die Agentur „Mediaplus Regio“ gegründet, um die Weichen für erfolgreiches regionales Marketing schon heute zu stellen. Zwar ist die Nachfrage nach crossmedialen Lösungen bei regionalen Kunden derzeit noch unterproportional entwickelt. Meistens vertrauen Unternehmen seit Jahren einem Mediamix und stehen Innovationen (noch) eher skeptisch gegenüber, zumal der Wirkungsnachweis crossmedialer Kampagnen schwerer zu erbringen ist als der monomedialer. Aber genau hier sehen wir große Chancen.
The Creative Exchange #230.04.2013
Servus!
Ich grüße alle, die meinen Blog lesen. Ich bin Godfrey, der Kreativpraktikant aus Süd-Sudan. Wie in meinem letzten Blogeintrag versprochen, schreibe ich jetzt mehr über meine Arbeit bei Serviceplan Campaign in München.
Für mich war das eine ganz schöne Umstellung von meinem Ein-Mann-Betrieb zu einer so großen Firma wie Serviceplan zu wechseln, die hier in München über 900 Leute beschäftigt und viel mehr weltweit. Allein schon das Apartment in dem ich wohne, ist größer als meine Kreativwerkstatt zuhause.
Das ist super, weil ich so viel Platz für meine Malarbeiten habe. Bisher habe ich bereits mehrere 60 x 60 cm große Bilder angefertigt. Eines davon konnte ich dieses Wochenende sogar an die nette Mutter eines Arbeitskollegen verkaufen. Ich hoffe, noch viele weitere Bilder zu verkaufen, damit ich zuhause mehr Geld in meine kleine Firma investieren kann.
Ich habe inzwischen auch sehr viel über das Arbeiten in Deutschland bzw. bei Serviceplan gelernt. Das erste ist: Deutsche sind sehr fleißig. Sie arbeiten sehr lange, telefonieren ständig und sind immer unterwegs.
Obwohl die Kollegen sehr beschäftigt sind, habe ich ein kleines Team, das sich gut um mich kümmert. Die Kreativen Elias, Lorenz und Franz, die Berater Felix und Tobias und der Kreativdirektor Oliver. Sie versuchen mich immer in laufende Projekte einzubinden, z.B. war ich schon bei einer Foto-Produktion für das Motorenöl AVIA dabei.
Dann habe ich für HiPP Illustrationen gemalt, die für ein neues Getränk waren. Die Kollegen waren begeistert von meiner tollen Zeichnung. Leider hat der Kunde das Konzept abgesagt und wir arbeiten gerade an einer neuen Idee. Das ist auch etwas anders als bei uns. Hier in Deutschland werden über längere Zeit immer viel mehr Ideen neu gemacht und verbessert. Ein bisschen so, wie bei einem Auto.
Weil ich so gut zeichnen kann und eine Grafikdesigner-Ausbildung habe, habe ich Vorschläge für ein neues BMW Motorrad CARE Logo gemacht. Ich habe versucht, meinen eigenen Stil zu verwenden, und ein Vorschlag hat es in die Präsentation geschafft. Wünscht mir Glück! Dann haben wir noch bei einem Pitch mitgemacht. Das ist aber noch geheim, darum darf ich den Kunden nicht nennen. Bitte auch hier Glück wünschen!
Außerdem unterstützen mich die Kollegen bei meinen eigenen Projekten. Ich arbeite an meinem Firmen-Logo „ProLine Artist“ und einem Online-Portfolio. Vor allem helfen sie mir mit Ideen für meinen großen Plan: Ich will meine Firma weiter aufbauen und anderen Jugendlichen in Süd-Sudan zeigen, wie man mit Kunst und Kreativität seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das ist mir sehr wichtig, damit auch andere eine Chance haben.
Süd-Sudan ist noch „im Aufbau“. Wir haben oft Stromausfälle und sehr langsames Internet. Die Gesellschaft ist sehr konservativ eingestellt, gerade zu solchen Berufen wie Grafiker oder Künstler im Allgemeinen. Meine Eltern wollten, dass ich Arzt oder Anwalt werde. Bis ich dann meine ersten beruflichen Erfolge hatte und mit meiner Arbeit Geld verdienen konnte. Darum freut es mich, dass ich jetzt noch besser werde und mein Wissen an junge Nachwuchstalente weitergeben kann.
So, dass war’s für heute. Ich freue mich von euch zu hören und beim nächsten Mal schreibe ich über meine Reise zur „Directors Lounge“ in Düsseldorf.
Viele Grüße
Godfrey
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