The Creative Exchange #123.04.2013

Servus!

Ich heiße Godfrey Madwadri und ich bin 26 Jahre alt. Ich bin Künstler und Grafikdesigner und komme aus Nimule in Südsudan. Dort arbeite ich in meiner eigenen kleinen Design- und Werbeagentur.

Derzeit absolviere ich bei der Werbeagentur Serviceplan Campaign in München ein dreimonatiges Praktikum, um mehr über die Werbung zu erfahren und zu lernen, wie ich mein Geschäft verbessern kann. Alles begann vor etwas über einem Jahr, als Anne-Felicitas Görtz mich in meinem Heimatland besuchte, um mit mir über mein Unternehmen zu sprechen und einen Artikel darüber in der deutschen Zeitschrift „Brand Eins“ zu veröffentlichen. Durch diesen Artikel wurde Oliver Palmer von Serviceplan auf mich aufmerksam und bot mir ein Praktikum bei Serviceplan an.

Ich bin jetzt seit einem Monat hier und habe schon sehr viel gelernt. Am Anfang war es nicht leicht, besonders an das kalte Wetter musste ich mich erst gewöhnen. Ich habe viele Menschen kennengelernt und viel über diese neue Kultur erfahren. Aber dank der Hilfe und Gastfreundlichkeit meiner Serviceplan-Kollegen fühle ich mich inzwischen hier wie Zuhause. Ich konnte bereits für verschiedene Kunden arbeiten, habe Logos entworfen, Kreativideen entwickelt und an eigenen Layouts gearbeitet. In meiner Freizeit erkunde ich München (Starkbierfest!) – wie ihr in den Bildern sehen könnt – und schaue mir die Spiele des FC Bayern an. Natürlich bin ich bereits ein großer Fan und hoffe, dass sie in der Champions League erfolgreich sein werden!

Hiermit wollte ich mich Euch kurz vorstellen. In den folgenden Wochen werde ich hier mehr über mich und meine Erlebnisse in München berichten, und Euch auch mehr über mein Heimatland, den Südsudan (eines der jüngsten Länder der Welt, gegründet am 9. Juli 2011!) erzählen.

Ich freue mich auf Eure Fragen!

Godfrey

Ablasshandel in Grün: Greenwashing-Portale als neues Medienkonzept?5.04.2013

„Neue Medien für eine neue Bewegung“, „jeden Tag eine gute Botschaft“, „zusammen retten wir die Welt“ – gerne, aber ohne meinen Kunden!

Mittlerweile wöchentlich sammeln sich beim Kunden (Start-up, Green Economy) Anfragen von crossmedial multichannel viral vernetzten Grünmedien, -initiativen und Veranstaltungsreihen. Der Anhang ist vollgepackt mit schicken Credential-Präsentationen, die mehr durch ihr Design als durch ihren Inhalt bestechen. Jedes zweite Chart zeigt eine gutgelaunte Weltkugel, die uns Erdenrettern hoffnungsvoll zuzwinkert. Worin der konkrete Inhalt der „grünen Medieninitiative“ besteht, bleibt hingegen unklar. IVW-Nachweis ist ein Fremdwort. Redaktionelle Linie sowieso.
Erste Rückfragen an die Redaktion nach benötigten Materialien für die Recherche werden auf eine gemeinsame Telefonkonferenz verlegt. Diese beginnt mit einem halbstündigen Monolog zu Aktionen, Partnern und Erfolgen und geht dann über in die offene Diskussion, wie man denn „am besten voneinander profitieren könne“. Die Frage nach Preisen und Inhalten einer Kooperation bleibt erst einmal unbeantwortet – als ungefähre Hausnummer nuscheln nach mehrfacher Nachfrage „so ab 10.000 Euro fürs Basispaket“ aus dem Hörer.

Das Modell scheint aufzugehen. Betrachtet man die entsprechenden Webauftritte und Facebook-Seiten findet man lobhudelnde Artikel über Marken und Unternehmen, die man selbst nie mit dem Thema „Grün“ in Verbindung gebracht hätte. Summiert man die Berichterstattung auf und multipliziert sie mit der ungefähren Hausnummer, die wir im Call aus der Nase gezogen hatten, kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Schlechte Nachrichten kriegt man scheinbar umsonst, gute kosten.

Es ist am Ende gar nichts gegen das Modell „eine Hand greenwasht die andere“ zu sagen. Wer möchte, soll zahlen. Der mittlerweile sehr aufmerksame und kritische Internetleser wird Medium und Berichterstattung aber schnell einordnen und beurteilen können. Auf der anderen Seite gibt es nämlich eine Menge an ambitionierten und seriösen Medien und Initiativen, die sich mit Herz und Verstand dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Faszinierend ist lediglich, dass sich hier im Fahrwasser der umfangreichen Berichterstattung zu Nachhaltigkeit ein komplett neues Geschäftsmodell zu entwickeln scheint.

Gerade Start-ups, die durch eine starke Idee und eine wirklich nachhaltige Geschäftsphilosophie gewappnet derartige Schützenhilfe nicht nötig hätten, freuen sich über scheinbar gleichgesinnte Medien, die ihr Engagement zu schätzen und zu würdigen wissen. Und geben Geld an falscher Stelle aus. „Passt doch so gut zu uns“, ist die nachvollziehbare erste Reaktion. Doch die aufgerufenen Preise sind absurd. Eine gute Geschichte, klare Positionierung und handfeste PR-Arbeit reichen. Bleiben wir also bitte bei „Tue Gutes und sprich’ darüber“, bevor wir zu „Tue und sprich darüber einfach gut“ übergehen. Das reicht. Denn wer nichts Gutes tut, bekommt seine Sünden dieser Art auch nicht erlassen – zumindest nicht nachhaltig.

Serviceplan International #3: Unterwegs in Moskau19.03.2013

Bei uns in der Agentur arbeiten 25 Kollegen. Wir befinden uns mitten im Moskauer Leben in der Nähe des Gorkogo-Parks (am Sadovaya-Ring). Der Alltag in Moskau hat mit Sicherheit seine Besonderheiten, die unsere Art zu arbeiten, zu leben und soziale Kontakte zu pflegen bestimmen.

Charakteristisch für den Moskauer Berufsalltag ist sicher das Thema Verkehr. Der Begriff “10 Punkte” bezieht sich auf daher auch auf das ständige Verkehrschaos in Moskau (10 bedeutet totaler Verkehrsstau) und ist zu einem Standardausdruck in den Gesprächen der Moskowiter geworden. Sich durch Moskaus Straßen zu bewegen, ist auch unter guten äußeren Bedingungen keine einfache Aufgabe – im Winter aber ist es eine echte Herausforderung.

Im Gegensatz zum übrigen Europa gilt bei uns im Winter die Sommerzeit (zwei Stunden vor der Normalzeit), und durch diese zusätzliche Stunde, in der noch Dunkelheit herrscht, wird der ohnehin bereits volle Aufmerksamkeit erfordernde Pendlerverkehr noch “unterhaltsamer”. Ich komme gegen 10 Uhr im Büro an. Noch sind nur wenige Kollegen anwesend, doch das Büro füllt sich langsam aber sicher, nachdem sich alle durch den Verkehr auf der Autobahn gekämpft haben oder mit der überfüllten U-Bahn gefahren sind. Jetzt warten alle darauf, dass sich die Sonne am Horizont blicken lässt.
Ich hole mir einen Kaffee und setze mich an meinen Schreibtisch, um die E-Mails von Kunden und Kollegen zu lesen und mir die neuen Pitchunterlagen anzusehen, an denen das Team bist spät in die Nacht gearbeitet hat. Es muss noch vor Mittag per Kurier an den Kunden gehen, damit wir die Bewerbungsfrist einhalten.

11 Uhr: Es ist bereits an der Zeit, sich wieder über das Moskauer Verkehrsgeschehen zu informieren, um es noch rechtzeitig zum Statusmeeting für die große Kampagne bei unserem Hauptkunden zu schaffen.  “10 Punkte” bedeutet laut Yandex (ein führendes russisches Internetsuchportal, das täglich in Echtzeit Meldungen zum Moskauer Verkehrsgeschehen liefert), dass der Verkehr in der Stadt zum Erliegen gekommen ist. Nun hat auch noch dichter Schneefall eingesetzt. Er kommt zwar jedes Jahr, aber wir sind immer wieder aufs Neue überrascht.  Sollte man jetzt nicht lieber das Auto stehen lassen und in die U-Bahn steigen, um rechtzeitig anzukommen?

12 Uhr: Katastrophencheck – der Kurier hat die Pitchunterlagen gerade noch rechtzeitig abgeliefert. Große Erleichterung!

13 Uhr: Wir sind vor Ort beim Kunden. Wir haben es noch rechtzeitig zum Meeting geschafft.

Anschließend wollen wir zurück in die Agentur. Immer noch “10 Punkte” für Moskaus Straßen. Es wird also nicht besser. Wie sehr die Straßen auch verbreitert und wie viele neue Autobahnkreuze auch gebaut werden: Die Geschwindigkeit des Verkehrs nimmt von Jahr zu Jahr ab, was jedoch nicht für unsere Arbeit gilt. Ganz im Gegenteil: Das Tempo steigt und steigt. Über das Netzwerk kam gerade ein neues Briefing herein, und es bleibt uns nicht viel Zeit zur Bearbeitung!

15:30 Uhr: Ich bin immer noch auf dem Weg ins Büro. Es wird bereits dunkel – und es gibt noch viel zu erledigen. Anschließend stehen noch eine Besprechung mit der Kreativabteilung über die Hauptkampagne und Planungen bezüglich einer neuen Geschäftschance auf der Aufgabenliste, die wir dringend bearbeiten müssen. Danach stellt sich ein neuer Bewerber vor, der uns von seiner Berufserfahrung berichten und einige Arbeitsproben präsentieren möchte.

Ich verlasse das Büro erst spät.  Der Verkehrsdichteindex liegt jetzt nur noch bei 7 – immerhin! Morgen ist ein neuer Tag!

Serviceplan International #2: Unterwegs in Dubai11.03.2013

“We welcome you on board of this Boing 777 on our way from Hamburg to Dubai, the languages spoken by our cabin crew today are Arabic, English, French, Swedish, Finnish, Spanish, Italian, Portugues, Serbian, Korean, Thai, Mandarin, Kantonese, Philipino, Hindi, Malyalam, Farsi and Singalese…” Schon der Flug mit EMIRATES nach Dubai gibt einen ersten Vorgeschmack, was die Stadt bietet – Superlative und einen Melting Pot an Kulturen.

Ich lebe seit zwei Jahren in Dubai und habe zu Beginn fast sechs Monate gebraucht, um mich an den Rhythmus der Stadt, das Klima, die Kultur sowie das neue Arbeitsumfeld zu gewöhnen.
Dubai ist eines der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), nicht die Hauptstadt – das ist AbuDhabi – und auch kein eigenständiges Land mit ganz viel Öl, wie ich anfangs annahm. Auch besteht Dubai nicht nur aus Scheichs, Wüste und Kamelen. Nicht nur – denn es gibt sie natürlich. Es ist in den VAE das Emirat der Superlative: der Burj al Kalifa, das größte Gebäude der Welt, das Burj al Arab, das luxuriöseste Hotel der Welt sowie die künstlich aufgeschütteten Inseln, The Palm Jumeirah, vor Dubais Küste – dies sind nur einige der bemerkenswerten Bauprojekte. Doch wer glaubt, Dubais Tagewerk sei getan, der täuscht sich. Dubai wird nicht müde – neue Superlative wie die Mohamed bin Rashid City, Taj Arabia und das Dubai Modern Art Museum sind bereits geplant.

Die Wirtschaft Dubais wächst seit Jahrzehnten beachtlich, was auf eine liberale Wirtschaftspolitik zurückzuführen ist. Es werden keine direkten Steuern erhoben, nur auf alkoholische Getränke müssen 30% bezahlt werden. Es gibt keine Einkommensteuer und bis auf wenige Ausnahmen auch keine Umsatzsteuer. Etwa 80% der Gesamtbevölkerung sind Expats, die aus allen Kontinenten nach Dubai kommen, um hier zu arbeiten. Auch wir Deutschen werden immer mehr.

Bei Plan.Net Middle East sind wir 25 Mitarbeiter – aus 14 Ländern. Unsere größten Kunden sind BMW, MINI, RR, Continental Reifen und die Versicherung Takaful Emarat. Unsere Agentur befindet sich in Dubai Media City, regionale Drehscheibe von Medienkonzernen wie Leo Burnett und Y&R sowie den großen Fernsehsendern NBC, BBC, FOX etc. Dubai Media City ist eine Freihandelszone, was bedeutet, dass wir keinen lokalen Sponsor benötigen, der als stiller Anteilseigner das Unternehmen mit führt.

Der Sommer in Dubai bildet sicherlich einen der größten Unterschiede, welcher mich als Nordeuropäer vor echte Herausforderungen stellt. Generell lässt sich das Jahr in zwei Hälften aufteilen; die erste ist warm, die zweite ist heiß. Nicht selten haben wir im Sommer 40 bis 45 Grad, was bedeutet, dass ein Aufenthalt im Freien direkt zu schweißnassen Klamotten führt. Man stelle sich vor, der Tag beginnt, die Sonne scheint, ich verlasse meinen Tower mit dem netten Apartment im 20. Stock, trete vor die Tür und das erste was passiert: Hitzewand – das Hemd, inklusive des ganzen Anzugs, klebt am Körper. Schweißperlen auf der Stirn. Sauber! Hatte ich die 80% Luftfeuchtigkeit erwähnt? Jetzt aber schnell ins Taxi.
Auch nachts kühlt es nicht ab und der Alltag wird davon bestimmt, sich von Klimaanlage zu Klimaanlage zu bewegen. Um das Leben im Sommer attraktiv zu gestalten, wird vieles getan; z.B. wird die Dubai Messe umgebaut in Dubai Sports World. Laufstrecken, Fußball, Basketball, Tennis – alles wird umsonst angeboten, und jeder kann daran teilnehmen. Ansonsten bietet sich immer die Möglichkeit in eines der Nachbarländer, wie den Oman, Sri Lanka, Indien oder in den Libanon zu fahren.

Eine weitere Umgewöhnung ist die Kultur. Der islamische Fastenmonat Ramadan, mit den Feiertagen Eid al Fitr, Eid al Adha, etc. werden in der Agentur aktiv gelebt. In dieser Zeit kommt das tägliche Leben fast zum Erliegen. In der Agentur werden nur noch sechs Stunden gearbeitet, die Mittags-Lieferservices liefern nicht mehr und möchte man bei Starbucks einen Café bestellen, klopft man an das geschlossene Rolltor, welches sich einen knappen Meter öffnet (damit kein Kaffeegeruch austritt) und schlüpft hindurch. Wasser trinken wir in abgedunkelten Räumen und aus Rücksicht auf unsere muslimischen Kollegen wird in der Agentur nichts gegessen. Gute Zeit, um ein paar Kilo zu verlieren, doch am Ende ist jeder froh, wenn es wieder vorbei ist.

Unser Leben in der Agentur unterscheidet sich nicht maßgeblich von dem in Deutschland. Vielleicht ist die Meetingkultur etwas entspannter, aber der Erfolgsdruck der Marken hier in der Region ist ebenfalls sehr hoch. Viele unserer Kunden sehen Dubai als Emerging Market und als Eintrittskarte für die asiatischen als auch die nordafrikanischen Märkte. Viele große europäische Marken haben in Dubai ihre Headquaters für die Region.

Glaubt man den Zukunftstheorien der Wirtschaft und Politik (und ich meinem persönlichen Gefühl), hat Dubai eine interessante Zukunft vor sich.  Nicht nur wirtschaftlich, auch kulturell wird entwickelt, gefördert und gebaut.  Wir merken das an drastisch steigenden Lebenshaltungskosten, wie der Explosion der Mieten. Hello tomorrow!

Der Blogbeitrag bei W&V

Serviceplan International #1: Unterwegs in Seoul4.03.2013

Seit die Welt Gangnam Style steil geht, weiß spätestens jetzt jeder, dass es Südkorea gibt. Südkorea ist nicht nur bekannt für Chaebol, K-Pop und Kimchi, sondern auch für seine einzigartige Geschichte, die durchsetzt ist von legendären Drachen, weitsichtigen Königen und dem letzten eisernen Vorhang.

Seoul (서울) mit seinen 23.616.000 Einwohnern ist an sich ja schon ein Erlebnis, da es einfach eine irrsinnig große Stadt ist, umringt von Bergen und Meer. Und wo kann man sonst mit der Metro in die Berge fahren, die dann schon Klettersteigniveau haben. Gewohnt habe ich in einem Hotel im Fremdenviertel Itaewon, nur einen Sprung entfernt von Liquid Campaign, der Dependance unseres Netzwerkes in Südkorea. Auf dem täglichen Weg zur Agentur konnte man schon sehr gut den Vibe der Stadt spüren. Hier ist das Stadtbild so dynamisch, dass, wenn man sich einmal im Kreis dreht, schon wieder alles anders ist. Den digitalen Fortschritt braucht man eigentlich nicht zu erwähnen, gefühlt ist Deutschland dagegen digitale Steinzeit. Mobile Broadcasting ist hier Standard. Zum Glück, da die Pendelzeiten für die, die nicht in Agenturnähe wohnen, lang sind.


Aber wie läuft so ein Agenturalltag im Ausland ab?
Aus der Sicht eines “Arters” eigentlich ähnlich wie “dahoam”: Frühstücken, Kaffee holen, mit Hilfe von Händen und Füßen mit Arbeitskollegen auf dem Flur quatschen und dann auch mal – natürlich auf Englisch – Briefings von den Account-Ladies abholen. Englisch beherrschen ist schon essentiell, um so einen Austausch zu machen, im besten Fall natürlich Koreanisch! Ein Tipp: “Maegju joseyo”, “Ein Bier bitte!”, reicht für den Anfang. ;-)

Bei Liquid Campaign habe ich hauptsächlich auf zwei großen integrierten Projekten für BMW gearbeitet. Hier hatte ich auch mit Profero Tokyo zu tun. Sehr spannend, diese internationale Zusammenarbeit. Zudem kam auch ein Job für eine App für Lanxess dazu. Eine Erstellung eines Agenturvideos war auch dabei. Im Großen und Ganzen das was ich auch in Deutschland mache, deshalb war für mich die Eingewöhnungsphase nur kurz. Das Einzige, was etwas anders ist, ist natürlich das Schriftsystem Hangul. Der Vorteil dieser Schrift ist, dass sie analog zu unserem Alphabet aufgebaut ist. Das heißt, jeder unserer Buchstaben hat ein Pendant in Hangul. Außer z.B. das X, das wird mit G und S umschrieben. Dadurch kann man recht schnell lesen lernen. Trotzdem bleibt die Bedeutung dann noch unklar. ;-) Das Schriftsystem hat übrigens der oben erwähnte weitsichtige König Sejong der Große 1443 eingeführt.

Abends geht man dann mit dem Team zusammen essen und trinken. Koreanische Mahlzeiten sind auch ein Highlight! Von Seegurken, Seesternen, dem Klassiker Kimchi (eingelegter scharfer Weißkohl, macht süchtig!),  Nudelsuppen, koreanischer Pizza auf der sich alles bewegt, bis hin zu Hundesuppe gibt’s alles was man sich nur vorstellen kann – oder auch nicht.
Und man darf die Hangover-Soups nicht vergessen, extrem scharf und  teilweise das Einzige, was man auf einer ländlichen Speisekarte lesen kann, da es Englisch aufgeführt wird. Warum wohl? Geselligkeit ist ein großes Thema, man isst immer im Kreis von Familie oder Kollegen und nie alleine. Es gibt eigentlich auch gar keine “Single”-Speisen.

Die Feedback-Kultur ist auch eher im Umfeld des Abendessens angesiedelt als in der Agentur. Feedback oder Kritik wird allgemein erst geäußert, wenn man schon leicht beschwipst ist. Das hat den Hintergrund, dass man den Alkohol vorschützen kann, wenn die Kritik dann doch mal schärfer ausfällt. Korea ist allgemein strukturell hierarchischer als Deutschland aufgebaut. Das sieht man besonders gut, wenn andere Unternehmen essen gehen: Der Chef zahlt zwar, aber wenn er den Löffel weg legt, dann muss es der Rest ihm gleich tun – auch wenn man noch Hunger hat. Zum Glück war das bei uns nicht so!

Den Culture Schock hatte ich mir größer vorgestellt. Klar, Seoul ist eine Weltmetropole und man findet sich im Großen und Ganzen gut zu Recht. Nicht so wie in Tokyo, das ich auch eine Woche erleben durfte. Da bin ich gleich mal in Shinjuku verloren gegangen. Lost in Translation lässt grüßen…

Der Blogbeitrag auf W&V.

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