Mein Leben als Agenturstudent23.05.2013

“Ich bin Agenturstudent bei Plan.Net Campaign im Haus der Kommunikation von Serviceplan.” Die meisten Leute, denen ich so versuche zu erklären, was ich derzeit in meinem Leben mache, können damit erst einmal wenig anfangen. “Agenturstudent? Also bist du so was wie ein Werkstudent?” – Das ist die häufigste Interpretation meiner Tätigkeit. Dass Plan.Net die Digitalagentur der Serviceplan Gruppe ist und wie hier alles zusammenhängt, erkläre ich meistens erst den ‘Fortgeschrittenen’. Ich arbeite 4,5 Tage die Woche und studiere (derzeit) 1,5 Tage. Das sieht nach einer Menge Arbeit aus – und ist es auch. Um zu verstehen, warum ich nicht lieber ein ganz normaler Student bin, muss ich kurz erklären wie es zu dieser Sache kam.

Nach einigen Erfahrungen mit der Welt der Arbeit und Hochschulen wusste ich, dass ich mein Leben weder als Koch noch als Bauingenieur verbringen möchte. Auf der Suche nach einer spannenden Alternative bin ich auf das Thema Kommunikation gestoßen. Dass Kommunikation eigentlich auch viel mit Werbung zu tun hat, habe ich erst später herausgefunden. Werbung also – das hatte ich so noch nicht auf meiner Jobliste, klingt aber verheißungsvoll. Da man im besten Fall ja aus Fehlern lernt, wollte ich nicht blind in das nächste Studium springen, sondern mir erst anschauen, was man als Werber denn so macht. Das heißt Bewerbungen schreiben und versuchen, einen begehrten Praktikums Platz in einer der (von außen) mystisch wirkenden Werbeagenturen zu ergattern.

Und wirklich: auf einmal war ich Kundenberater-Praktikant in einer riesigen, erfolgreichen Werbeagentur. Dann auch noch im Online-Bereich, was mir sehr gelegen kam, da ich sowieso viel Zeit im Netz verbringe. Schwer beeindruckt war ich von Anfang an von der Herzlichkeit und dem Teamgeist meiner neuen Kollegen, die mich als Anfänger ganz selbstverständlich integrierten. Dem ganzen Team ist es wohl auch zu verdanken, dass ich mich in den nächsten Wochen in der Arbeit immer mehr entwickeln konnte. Ich hatte mit der Zeit sogar die Möglichkeit, erste kleinere Projekte zu übernehmen – natürlich in ständiger Abstimmung mit meinen Kollegen.

Dabei lernte ich sehr viel über das Aufgabenspektrum eines Kundenberaters und Projektmanagers. Dazu gehören natürlich der Kundenkontakt, das Zuarbeiten für Kollegen, selbstständiges Arbeiten für Projekte – und das schönste an diesem Job: über den Tellerrand hinaus blicken und eigene Ideen in Projekte einbringen. Wer hier viel machen möchte, bekommt auch die Möglichkeit, viel zu machen. Ich hatte eine Menge Herausforderungen und genauso viel Spaß dabei diese zu lösen. Mit all den Möglichkeiten und der Verantwortung, die man hier übernehmen kann, kommt natürlich auch eine Menge Arbeit und damit auch manchmal Stress. Es müssen Timings eingehalten, mehrere Aufgaben gleichzeitig betreut werden und dann kommt gerne auch noch ein unvorhergesehenes Problem um die Ecke. Eines ist auf jeden Fall sicher: Langweilig wird es einem nicht!

Gegen Ende meines Praktikums kam es dann – das Angebot, dass ich als Agenturstudent weiter in meinem Team bleiben und gleichzeitig studieren könnte. Klar, dass ich nicht lange zögerte. Dieses Programm ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Jahr arbeite ich Montag bis Freitagmittag und gehe am Freitagnachmittag und am Samstag ganztags in die Bayerische Akademie für Werbung (BAW). Im zweiten und dritten Jahr geht es dann alle zwei Monate für vier Tage Blockunterricht an die Steinbeis-Hochschule. Hier bekomme ich – wenn alles gut läuft – am Ende dann auch den Bachelor of Business Administration.

An der BAW mache ich gerade den Medienmarketing Fachwirt. Meine bisherigen Erfahrungen mit der BAW sind positiv. Die Dozenten kommen direkt aus der Praxis und bekleiden zum Teil hohe Positionen in großen Unternehmen. Da wird auch einmal aus dem Nähkästchen geplaudert. Das Beste dabei: Das gelernte Wissen kann sofort in der Arbeit ausprobiert werden. Wenn ich also am Samstag in der Uni noch höre, auf was man bei Onlinemarketing achten muss, kann ich das sofort am nächsten Montag in der Arbeit einsetzen und direkt sehen, wie es funktioniert. Für mich ist das ein riesiger Vorteil im Vergleich zu dem sehr theorielastigen Hochschulsystem.

Der Nachteil an diesem Programm ist natürlich die Zeit. Ich habe eine Sechs-Tage-Woche und nur in den Schulferien normale freie Wochenenden. Da gewinnt auch das Seminar für Zeitmanagement an der BAW sofort praktische Bedeutung. Schließlich warten nach Agentur und Akademie auch noch Hausarbeiten und Lernstoff – und vielleicht sogar noch etwas Privatleben. Trotzdem habe ich meine Entscheidung noch keinen Moment bereut. Die Gründe dafür sind einfach. Meine Arbeit macht richtig Spaß und ich weiß, dass mich sowohl meine Vorgesetzten als auch mein Team unterstützen.

Agenturstudent zu sein , das ist eine intensive Erfahrung, ein ständiges lernen; und kann auch mal anstrengend werden. Unter den richtigen Rahmenbedingungen und mit der nötigen Motivation ist es jedoch eine große Chance und der ideale Weg, einen schnellen und soliden Einstieg in die Welt des Marketings zu bekommen.

Ich glaube es ist schwer bis unmöglich, in einem so kurzen Zeitraum mehr über diese Branche zu lernen, zu erfahren und zu erleben.

The Creative Exchange #313.05.2013

Hallo meine Leser, ich bin Godfrey. Der Kreativpraktikant aus dem Südsudan.

Heute schreibe ich über die Unterschiede. Arbeiten im Südsudan ist nicht leicht. Obwohl offiziell Frieden herrscht, gibt es Gebiete mit anhaltenden Aufständen und bewaffneten Übergriffen. Deswegen sind die Leute in vielen Regionen traumatisiert und vertrauen keinen Fremden. Auch keinen Südsudanesen aus anderen Regionen. Weswegen sie bevorzugt Klanmitglieder aus ihrer Region einstellen, was das Arbeiten im Südsudan sehr schwer macht.

Geschäfte im kleinen Stil, z.B. unter Privatleuten, boomen derzeit enorm. Nur leider ist die Absicherung in vielerlei Hinsicht nicht gegeben. Man muss z.B. Glück haben, den richtigen Steuersatz bezahlen zu dürfen. Und auch, diesen nicht mehr als einmal bezahlen zu müssen. Das macht Geschäfte zu einem unkalkulierbaren Unternehmen. Zudem sind viele Politiker oder staatliche Angestellte nicht ausreichend qualifiziert und ausgebildet für ihren Job, bleiben aber wegen ihrer ethnischen oder Klan-Zugehörigkeit im Amt.

Man gerät eher über Zufall in einen Job. Auch sind Ausbildungsqualität und -fokus sehr von den dort arbeitenden Menschen abhängig. Werbung ist bei uns noch sehr unterentwickelt, aber die Firmen nehmen es sehr ernst. Man hat erkannt, dass man ohne Werbung nichts oder weniger verkauft. Zudem ist Werbung sehr wichtig für das Image, weil wir noch sehr junge Marken haben und selbst die bekannten ausländischen Marken müssen erst einmal bekannt werden.

Die stärksten Werbungstreiber sind Telekommunikationsfirmen, wie z.B. Viva Cell, Zain und MTN. Auch Banken werben viel, wie z.B. KCB Equity Bank und Charter Bank. Weitere große Werbetreibende sind Firmen für Logistik, Humanitäres, Gesundheit und Erziehung.
Geworben wird zum größten Teil in Zeitungen, TV-Spots, Plakaten und im Radio. Dabei fokussieren sich die Firmen darauf, den Kunden zu sagen, wo, wann und wie man an das Produkt kommt. Meist mit einem Preis-/Kostenhinweis.

Im Vergleich zu Deutschland ist unsere Werbung direkter. Auch das Internet spielt noch kaum eine Rolle, weil es das bisher meist nur in Städten gibt. Und der Strom selbst dort nicht unterbrechungsfrei zur Verfügung steht. Darum bin ich ganz fasziniert, dass wir in Deutschland immer und überall online sein können. Ob am Computer im Büro oder mit Handy im Park. Das ist sehr schön, aber auch gefährlich. Weil man da sehr leicht verlockt wird zu viel im Internet zu sein. Zum Beispiel auf Facebook.

Das war’s für diese Woche, herzliche Grüße und Servus!
Godfrey

Comprix 2013: Zwei Männer – ein Statement10.05.2013

Serviceplan Health & Live sicherte sich Platz 3 im Kreativ-Ranking beim diesjährigen Comprix (nach Awards und Shortlistplätzen gewichtet) und zählt damit weiterhin zu den kreativsten Agenturen im Healthcare-Bereich. Reiner Kepler von Healthcare Marketing stellte Florian Bernsdorf (Geschäftsführer Beratung) und Mike Rogers (Geschäftsführer Kreation) folgende Fragen zum Comprix, dem größten und bedeutendsten europäischen Award im Healthcare-Bereich.

Laut Presse-Info wurde beim diesjährigen Comprix eine „wirklich hohe Qualität“ der Arbeiten festgestellt. Was sind die Kriterien für hohe Qualität in der Healthcare-Werbung (Unterscheidung nach Zielgruppen wie Ärzte, Patienten bzw. Segmenten wie Rx, OTC, Medizintechnik, sonstige Bereiche)?

ROGERS: Mein Eindruck ist, dass sich der Comprix dieses Jahr in der Tat wieder  über sehr  viele kreativ hochwertige Einreichungen freuen kann. Positiv ist zu sehen, dass nicht nur Top-Marken aus Deutschland, sondern auch große globale Marken beim Comprix vertreten sind – das finde ich begrüßenswert, denn es trägt im Zeitalter des globalen Marketings auch zur Bedeutung und Qualität des Comprix als einzigem deutschen Healthcare-Award bei. Aufgrund der guten und interessanten Arbeiten in allen Kategorien fanden die Diskussionen und Bewertungen in den Jurysitzungen auf sehr hohem Niveau statt, was mich besonders gefreut hat. Es zeigt, dass der Kreativdruck in unserer Branche steigt und alle gut performen wollen. Das kann dem Comprix und damit auch der ganzen Branche nur helfen.

Die Kriterien sind für mich weniger segmentspezifisch – eine gute Kampagne im Gesundheitsmarkt zeichnet sich für mich immer noch dadurch aus, dass sie einfach, schnell, wirksam und vor allem differenzierend die Positionierung und Kernkompetenz eines Produkts transportiert. Sie muss in den Köpfen unserer Zielgruppe für Unruhe sorgen, dann löst sie auch gewünschte Reaktionen bei der Zielgruppe aus.  Dazu braucht sie eine klare und einfache “Big Idea”, die auf einem relevanten Key Insight basiert sowie handwerklich überraschend und exzellent umgesetzt ist – kreativ, medial oder digital.

Budgetkürzungen und global aus dem Ausland gesteuerte Kampagnen erschweren die Arbeit der Kreativen: Was ist in diesem engen Rahmen noch möglich?

BERNSDORF: Grundsätzlich ist die Diskussion über die kreative Adaption und die lokale Relevanz von Global Campaigns ehrlich gesagt etwas leidig, denn ich finde Sie nicht mehr zeitgemäß. Gerade weil wir von Agenturseite den Kunden praktikable Lösungsansätze für das Problem anbieten können.  Mit unserem Global Network Indigenus bieten wir hierfür z. B. einen extra aufgesetzten Creative-Excellence-Process an, der insbesondere auf die Durchsetzungskraft einer global aufgesetzten Kampagne in den einzelnen Ländern ausgerichtet ist. Wir nennen das „Global Fusion Branding“. Mit diesem Prozess können wir nicht nur effizientere globale Kampagnen entwickeln, sondern bieten auch noch enorme Zeit- u. Kostenvorteile. Es wäre also sehr viel möglich, es muss nur angenommen werden – das erfordert aber auf Kundenseite eine demokratischere und  qualitätsorientiertere Denke bei der Entwicklung von globalen Kampagnen. Das eigentliche Problem sind jedoch die Budgetkürzungen für die kreative Agenturleistung oder anders gesagt die enormen Investitionen primär zur Absicherung einer Kampagne vs. der Investition in die kreative Qualität. Solange das Budget für Marktforschung und Kampagnentests höher ist als für die eigentliche kreative Kampagnenentwicklung, werden wir keine Top-Kreation mehr sehen, denn sie wird einfach totgetestet.

Ich halte Kampagnentests für wichtig und manchmal sogar für sehr hilfreich. Aber das Verhältnis von Kreation und Marktforschung stimmt im Mitteleinsatz nicht mehr. Darüber hinaus werden wir uns alle – damit meine ich die Agenturen, aber letztendlich auch die Industrieseite – schwertun, für die zur Verfügung stehenden Budgets noch Top-Kreative zu finden, die heute in der Lage sind, die hochkomplexen und teilweise auch schwierigen Themen in herausragende Kreation umzusetzen, denn die Leute sind zu Recht sehr teuer und haben kein Interesse daran, ihre Arbeit von Marktforschungsinstituten “belanglos” und oft ohne Einfluss “glatt bügeln” zu lassen. Es ist also meiner Meinung nach nicht die Frage der Budgetkürzung, sondern eine Frage des richtig verteilten Budgeteinsatzes, um wieder global und lokal mehr kreative Kampagnen anstelle von mehr oder weniger austauschbar bebilderten Produktinformationen auf die Straße zu bekommen. Denn es ist die kreative Idee, die differenziert, und Differenzierung wird zunehmend noch wichtiger!

Hier sehe ich eine wichtige Funktion des Comprix, der eben genau die Kunden und Agenturen auszeichnen soll, die es schaffen, sich unter den oben aufgeführten Herausforderungen  durch exzellente Kreativität herauszuheben. Es gibt diese Kunden und Agenturen und somit  auch diese herausragenden Arbeiten. Also rauf mit ihnen auf die Bühne!

Welche Trends sehen Sie in der Healthcare-Werbung, was ändert sich aktuell?

BERNSDORF: Der große Trend, auf den im Augenblick alle aufspringen, heißt „Patient Centricity“. Der Gesundheitskunde bzw. der Patient wird noch stärker in den Fokus rücken. Damit verbunden wird Multichannel-Kommunikation noch mehr an Bedeutung gewinnen. Das schließt besonders auch Social Media mit ein. Dies hat aus meiner  Sicht zur Folge, dass wir uns in Zukunft über ein völlig neues Qualitätsniveau in der Gesundheitskommunikation unterhalten – inhaltlich wie kreativ. Best Brands werden jene Marken sein, denen die Patienten vertrauen – der Schlüssel dazu wird exzellente Kreativität verbunden mit exzellentem Content sein!

Warum gewinnen Comprix-ausgezeichnete Arbeiten eigentlich nie bei anderen Kreativ-Awards einen Preis?

ROGERS: Grundsätzlich stehe ich dazu, dass sich die beim Comprix ausgezeichneten Arbeiten nicht verstecken müssen. Die kreative Qualität hat sich in den letzten Jahren wirklich enorm gesteigert. Dass Winner-Arbeiten beim Comprix bei anderen Wettbewerben nicht punkten, können wir nur teilweise so stehen lassen. Unser Anti-Raucher-Kalender für die AOK hat z. B. neben dem Comprix noch bei den global top angesehenen Awards EPICA und Eurobest Medaillen gewonnen. Das gilt für andere Arbeiten aus dem Comprix auch. Aber  das sind dann eben auch herausragende Arbeiten.

Es ist schon richtig: Obwohl das Niveau beim Comprix hoch ist, muss man der Tatsache ins Auge sehen,  dass sich Kampagnen aus dem Pharmamarkt bei anderen Wettbewerben sehr schwer durchsetzen. Dazu reicht das Niveau oftmals noch nicht, und Pharma ist im Vergleich zu Auto oder Telekommunikation auch nicht sexy genug. Doch daran arbeiten wir alle – und der Comprix tut sein Bestes dazu!

The Creative Exchange #230.04.2013

Servus!

Ich grüße alle, die meinen Blog lesen. Ich bin Godfrey, der Kreativpraktikant aus Süd-Sudan. Wie in meinem letzten Blogeintrag versprochen, schreibe ich jetzt mehr über meine Arbeit bei Serviceplan Campaign in München.

Für mich war das eine ganz schöne Umstellung von meinem Ein-Mann-Betrieb zu einer so großen Firma wie Serviceplan zu wechseln, die hier in München über 900 Leute beschäftigt und viel mehr weltweit. Allein schon das Apartment in dem ich wohne, ist größer als meine Kreativwerkstatt zuhause.

Das ist super, weil ich so viel Platz für meine Malarbeiten habe. Bisher habe ich bereits mehrere 60 x 60 cm große Bilder angefertigt. Eines davon konnte ich dieses Wochenende sogar an die nette Mutter eines Arbeitskollegen verkaufen. Ich hoffe, noch viele weitere Bilder zu verkaufen, damit ich zuhause mehr Geld in meine kleine Firma investieren kann.

Ich habe inzwischen auch sehr viel über das Arbeiten in Deutschland bzw. bei Serviceplan gelernt. Das erste ist: Deutsche sind sehr fleißig. Sie arbeiten sehr lange, telefonieren ständig und sind immer unterwegs. :-)

Obwohl die Kollegen sehr beschäftigt sind, habe ich ein kleines Team, das sich gut um mich kümmert. Die Kreativen Elias, Lorenz und Franz, die Berater Felix und Tobias und der Kreativdirektor Oliver. Sie versuchen mich immer in laufende Projekte einzubinden, z.B. war ich schon bei einer Foto-Produktion für das Motorenöl AVIA dabei.

Dann habe ich für HiPP Illustrationen gemalt, die für ein neues Getränk waren. Die Kollegen waren begeistert von meiner tollen Zeichnung. Leider hat der Kunde das Konzept abgesagt und wir arbeiten gerade an einer neuen Idee. Das ist auch etwas anders als bei uns. Hier in Deutschland werden über längere Zeit immer viel mehr Ideen neu gemacht und verbessert. Ein bisschen so, wie bei einem Auto.
Weil ich so gut zeichnen kann und eine Grafikdesigner-Ausbildung habe, habe ich Vorschläge für ein neues BMW Motorrad CARE Logo gemacht. Ich habe versucht, meinen eigenen Stil zu verwenden, und ein Vorschlag hat es in die Präsentation geschafft. Wünscht mir Glück! Dann haben wir noch bei einem Pitch mitgemacht. Das ist aber noch geheim, darum darf ich den Kunden nicht nennen. Bitte auch hier Glück wünschen!

Außerdem unterstützen mich die Kollegen bei meinen eigenen Projekten. Ich arbeite an meinem Firmen-Logo „ProLine Artist“ und einem Online-Portfolio. Vor allem helfen sie mir mit Ideen für meinen großen Plan: Ich will meine Firma weiter aufbauen und anderen Jugendlichen in Süd-Sudan zeigen, wie man mit Kunst und Kreativität seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das ist mir sehr wichtig, damit auch andere eine Chance haben.

Süd-Sudan ist noch „im Aufbau“. Wir haben oft Stromausfälle und sehr langsames Internet. Die Gesellschaft ist sehr konservativ eingestellt, gerade zu solchen Berufen wie Grafiker oder Künstler im Allgemeinen. Meine Eltern wollten, dass ich Arzt oder Anwalt werde. Bis ich dann meine ersten beruflichen Erfolge hatte und mit meiner Arbeit Geld verdienen konnte. Darum freut es mich, dass ich jetzt noch besser werde und mein Wissen an junge Nachwuchstalente weitergeben kann.

So, dass war’s für heute. Ich freue mich von euch zu hören und beim nächsten Mal schreibe ich über meine Reise zur „Directors Lounge“ in Düsseldorf.

Viele Grüße
Godfrey

Der Beitrag bei W&V

Serviceplan International #5: Unterwegs in Dubai (2)4.04.2013

Auf meinen regelmäßigen Reisen nach Europa, insbesondere bei solchen mit geschäftlichem Anlass, werde ich immer wieder mit einer Frage, in der gleichermaßen Überraschung, Freude und Neugierde zum Ausdruck kommen, konfrontiert: “Oh, Sie sind aus Dubai?” Diese aufgeregte Feststellung geht eigentlich immer mit einer herzlichen Begrüßung durch meine neuen Bekanntschaften einher. Immer wieder bietet sie den perfekten Einstieg, um neu gewonnene Freunde mit Fakten und Anekdoten zu erfreuen – Fakten wie “Nein, Dubai steht nicht für den gesamten Nahen Osten” und Anekdoten wie “In Dubai begrüßen sich zwei arabische Männer, die sich seit langem nicht mehr gesehen haben, nicht durch ein Händeschütteln, sondern indem sie ihre Nasen aneinander reiben.” Fast immer führen diese Fakten und Anekdoten zu langen, intensiven Gesprächen, in deren Verlauf ich so viel Interessantes über die Kulturen anderer Länder erfahre – wahrscheinlich sogar mehr, als ich über das Leben in Dubai und die Entwicklungen in diesem sagenumwobenen Schlaraffenland namens Naher Osten weitergeben kann.

Was möchte ich Ihnen also über Dubai und den Nahen Osten im Allgemeinen vermitteln? Lassen Sie mich mit einer Banalität beginnen: Dubai ist eines von sieben Mitgliedern der Vereinigten Arabischen Emirate, die wiederum zusammen mit dem Königreich Saudi-Arabien sowie Kuwait, Oman, Bahrain und Katar den Golf-Kooperationsrat bilden. Aber auch diese sechs Länder bilden letztlich nur einen Teil des gesamten Nahen Ostens, der auch die Levante-Staaten Syrien, Libanon, Jemen und Jordanien umfasst. Ja, der Nahe Osten ist riesig – und so wie Dubai eine Region voller Ironien.

In meiner Heimat dreht sich alles um Menschen und Beziehungen.  Am meisten mag ich den Austausch blumiger Worte und Lobeshymnen, wenn wir zu Geschäften zusammenkommen. Ehrlich gesagt, finde ich es immer wieder amüsant, die Überraschung und Ungläubigkeit in den Gesichtern unserer ausländischen Gäste beobachten zu können, vor allem dann, wenn diese Begrüßungen nicht in unserer Muttersprache, dem Arabischen, sondern auf Englisch ausgesprochen werden. Wir sind wahrlich nicht umsonst ein poetischer Menschenschlag.
Es ist beispielsweise ganz normal, schon bei einem ersten Treffen von seinem arabischen Geschäftspartner danach gefragt zu werden, ob man verheiratet ist, Kinder hat, wie diese heißen und wie alt sie sind… und die Liste an Fragen kann noch viel länger sein. Unter nicht arabisch-stämmigen Menschen hingegen ist es sehr ungewöhnlich, bei geschäftlichen Anlässen derart persönliche Fragen zu stellen. Einmal war eine Kollegin aus unserer Münchner Gruppe zu einer geschäftlichen Besprechung hier in Dubai, und schon den ersten paar Stunden wurden zahllose Fragen privater Natur gestellt. Meine Kollegin war so überrascht über die Offenheit ihrer Gesprächspartner, dass es förmlich aus ihr heraussprudelte: “Rami, sie haben mir erzählt, wie ihre Kinder heißen und in welche Klasse sie gehen… und sogar Fotos gezeigt!”

Wenn Sie sich also jemals bei einem Termin mit Geschäftsleuten aus der arabischen Welt wiederfinden, sollten Sie es weder an Komplimenten für Ihre Gastgeber fehlen lassen noch peinlich berührt sein, wenn man Sie mit Lob überschüttet. Gehen Sie selber großzügig mit Freundlichkeiten um, und freuen sich über die Ihnen entgegengebrachten Begrüßungsworte und Lobeshymnen. So reichhaltig und verschlungen ist die arabische Kultur nun einmal, wie sich auch an den kunstvoll in Stein gemeißelten, weltberühmten Minaretten ablesen lässt.

Nun aber schweife ich ab – eigentlich wollte ich ja darüber sprechen, wie sehr die Kommunikation im Nahen Osten von Beziehungen geprägt ist. Dies ist ein ebenso faszinierendes wie gewinnendes Thema – besonders für eine Werbemenschen wie mich, dem es größte Freude bereitet, mit Kunden zu arbeiten, die diesen tief verwurzelten Aspekt meiner Region wirklich verstehen – nämlich, dass es nicht die “individualistische”, sondern die “kollektive” Mentalität ist, die den Nahen Osten so sehr von der übrigen Welt abhebt.

Auch im Geschäftsleben behält diese Erkenntnis ihren Wert. Ein Tipp: Sie sollten Beziehungen deshalb nicht nur zu Entscheidungsträgern pflegen. Nehmen Sie sich die Zeit, auch die vielfältigen, hochinteressanten Menschen im Umfeld kennen zu lernen. Bauen Sie ein Vertrauensverhältnis zu denjenigen auf, die die Entscheidungsträger mit weisen Ratschlägen unterstützen. Kümmern Sie sich nicht so sehr um das rationale, sondern vielmehr um das emotionale Wohlgefühl der Eltern arabischer Jugendlicher. Dadurch werden Sie den Wünschen einer digitalen Generation von Arabern gerecht, die ihre Ansichten, ihre gesellschaftlichen und politischen Überzeugungen immer stärker online zum Ausdruck bringen und ihre Gefühle interessierten Menschen in aller Welt vermitteln möchten.

Wenn Sie also das nächste Mal den Ruf Dubais vernehmen, sollten Sie nicht nur an die Stadt der Prachtbauten denken, sondern vor allem an eine Region voller Vielfalt, die aber gerade aufgrund ihrer Einfachheit so zugänglich ist. Erwidern Sie die diesen Ruf mit einem Gefühl von Verwunderung und Abenteuer in Ihrem Herzen! Seien Sie bereit, die Schönheit ihrer sieben Sande und die inspirierenden Traditionen ihrer faszinierenden Bewohner zu erkunden.  Und wenn Sie mit der U-Bahn vom größten Einkaufszentrum der Welt unterwegs zur Dubai Media City sind, um dort mit einer Werbeagentur Gespräche zu führen, sollten Sie nicht verwundert sein, wenn auf dem Sitzplatz neben Ihnen jemand in herrlichem Gewand mit Blackberry und iPhone gleichzeitig hantiert. Denn auch in Dubai wie im ganzen Nahen Osten ist man mit iPhone und Blackberry stets in Verbindung mit seinen privaten und beruflichen Kontakten.

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