Ein Wiesnhotel für ein Huhn – und was hat Serviceplan damit zu tun?10.10.2011

Ein ungewöhnliches Kunstprojekt wurde von der Serviceplan Gruppe im Rahmen des diesjährigen Oktoberfests unterstützt, das sich auf originelle Weise mit dem massenhaften und unreflektierten Verzehr von fünfhunderttausend Grillhendl auseinandersetzte. Die beiden Künstler Birgit Merk und Tommy Schmidt – Tommy ist im “normalen Leben” Senior Texter bei Plan.Net – haben es mit dieser außergewöhnlichen und witzigen Idee geschafft, in die lokalen Medien, aber auch auf nationale Medien wie taz.de, focus.de und sueddeutsche.de zu kommen.
Aber nun erst mal zu der Aktion: Die drei Hühner Camilla, Calimera und Suzanne wollten als Gast aufs Oktoberfest – über Facebook wurde abgestimmt, welches der drei Hühner diese einmalige Chance erhält. Calimera, das Gewinnerhuhn, zog dann am 18. September feierlich in die Hotelpension Haydn ein und wurde von knapp 600 Facebook-Fans und tausenden Webusern via Webcam während der Wiesnzeit begleitet. Im Anschluss durfte Camilla natürlich zurück auf ihren Bauernhof!
Das Projekt wurde mit der unentgeltlichen Unterstützung aus der Serviceplan Gruppe realisiert – IT, Presse, Social Media, Videoschnitt und Produktion waren alle mit an Bord und haben so den Gedanken des Hauses der Kommunikation widergespiegelt: agenturübergreifend und synergetisch an Projekte heranzugehen und in kürzester Zeit auch ungewöhnliche Herausforderungen zu meistern – so wie bei diesem ambitionierten Non-Profit-Projekt.
Kunst und die Unterstützung von Kunstprojekten ist Teil der Corporate Identity bei Serviceplan. Die Geschichte der Agentur ist eng mit Kunst verbunden, viele bedeutende Werke abstrakter Kunst aus der Sammlung des Agenturgründers Dr. Peter Haller sind im Haus der Kommunikation zu sehen. In diesem Jahr zeigte im März der international renommierte Licht- und Multimediakünstler Philipp Geist seine Videoinstallation “ZeitFlüsse” am Haus der Kommunikation in München und auch bei der Abendveranstaltung im Rahmen des Innovationstags begeisterte der Künstler mit einer Live-Performance die Gäste.

Regional statt international: Heimat macht Marken erfolgreich7.10.2011

Die “big ones” werden die “big ones” bleiben: Coke, Apple oder Google sind international und müssen das auch bleiben. Sie sind nicht einmal mehr nur die Marken der Metropolen, sie sind überall zu Hause und ohne geographische Heimat. Vor allem in den stetig wachsenden asiatischen Märkten haben sie sich im Bewusstsein der Menschen sehr weit von ihren ursprünglich amerikanischen Wurzeln entfernt. Ihre Heimat steckt in ihren Usern, ihren Fans, ihren Friends und natürlich im durch sie kreierten Lifestyle.

Aber in vielen anderen Marktsegmenten, beileibe nicht nur im Foodbereich, werden Herkunftsregion und Heimat zunehmend wichtiger. Gerade die sich immer mehr nivellierende Kultur der Megalopolis verlangt als Gegenpol nach Produkterlebnissen mit regionaler Authentizität. So wird Heimat für viele Marken immer mehr zum kapitalisierbaren Faktor. Darüber hinaus fordert der Megatrend Nachhaltigkeit zunehmend die Transparenz von Herstellung und Qualität, was sich von “anfassbaren” regionalen Marken oft leichter bewerkstelligen lässt. Dass Marken aufgrund einer sehr eng begrenzten Herkunftsregion für sich Exklusivität erzeugen, ist nicht neu: Havanna-Zigarren, Single Malt-Whiskeys, Bordeaux-Weine, Schinkenhersteller und Käsereien oder hunderten von Brauereien und Mineralwasserbrunnen gelingt dies seit vielen Jahrzehnten. Hier geht die Betonung der Herkunft oft einher mit einer künstlichen Verknappung des Angebots.

Mittlerweile gehen aber auch immer mehr Konsummarken erfolgreich diesen Weg: Über 1.000 Bauern des Hohenloher Landes vermarkten die bei ihnen heimische Schweinerasse unter einem gemeinsamen Label (und beliefern z. B. exklusiv die Marke “Du darfst”). Das Allgäu entwickelte eine Einheitsmarke, die Allgäu GmbH, unter der Produkte aus Landwirtschaft, Industrie, Kultur und Tourismus gebündelt werden sollen. Dasselbe Konzept liegt der Marke “Region Schwarzwald” für den Bereich Tourismus zugrunde. In Sachsen reüssieren regionale Uralt-Marken wie Diamant-Fahrräder und ESDA-Strümpfe und schließen sich die Spielzeughersteller des Erzgebirges zu einem regionalen Qualitätssiegel zusammen. In Tschechien beginnen regionale Traditionsmarken für Seifen und Speisefette in die EU-Staaten der früheren KuK-Monarchie zu exportieren, wo ihre Produkte unverändert einen hervorragenden Ruf besitzen – fast 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Die Region als Garant für Verbrauchervertrauen und Qualität – immer mehr kleine Marken werden zu großen, weil sie ganz bewusst auf ihre Heimat setzen. Bei einem Einkaufsverhalten, das immer mehr von “grünen Faktoren” bestimmt wird, steht dieser Trend sicher erst am Anfang. Erfolgsgeschichten sind zu erwarten und kommunikativ zu begleiten.

Übersicht über einige Regionalmarken
Aktuelle Werbekampagne von Migros

“Move fast, break things” 2011 Edition: Was die neue Öffentlichkeit von Facebook für das Web bedeutet28.09.2011

Vor gut zwei Jahren hat Facebook-Erfinder und CEO Mark Zuckerberg die Innovationskultur seines Unternehmens auf einen einfachen Slogan reduziert: “Move fast, break things.” Der Bruch mit etablierten und für die Nutzer gewohnten Standards gehört trotz der regelmäßig aufflammenden Protestaktionen der User ebenso zur DNA von Facebook wie der fortlaufende, oft unterschwellige Versuch, das Netz und seine User zu mehr Öffentlichkeit zu drängen.

Timeline und Open Graph – das digitale Ich-Magazin

Mit den kürzlich auf der Facebook-eigenen Developer-Konferenz f8 vorgestellten Neuerungen setzt Facebook konsequent die mit Newsfeed und Like-Button begonnene Entwicklung fort: das eigene Facebook Profil als Mittelpunkt des digitalen Lebens. Durch die neue Profil-Option “Timeline” wird das Nutzerprofil zum digitalen Ich-Magazin – Freunde, Bilder, Videos, Applikationen und Games sowie Nutzung von Content auf einer individuell konfigurierbaren Seite als die erste Anlaufstelle im Netz für die Story des eigenen Lebens.

TimelineUm es den Nutzern so einfach wie möglich zu machen, alle für sie relevanten Inhalte auf ihren Profilen zu nutzen, wird auch die Facebook-Schnittstelle zu internen und externen Applikationen “Open-Graph” grundlegend überarbeitet. In Zukunft muss ein Nutzer beispielsweise einen News-Artikel nicht mehr mittels Like-Button in seinen Newsfeed posten – über eine Lese-App wie sie z. B. die britische Tageszeitung The Guardian vorgestellt hat, geschieht dies automatisch. Hört ein Nutzer über die App eines Streaming-Dienstes wie Spotify Musik, werden die gehörten Titel ebenfalls automatisch im Ticker gepostet.

Neu ist dieses Prinzip nicht – Dienste wie Last.fm (für Musik)  oder Trakt.TV (für TV Serien und Filme) protokollieren schon lange von Usern konsumierten Content auf eigenen Profilen. Facebook wäre aber nicht Facebook, wenn es sich auf die Grundfunktionalität beschränken würde; über Open Graph kann in Zukunft theoretisch jedwede Art von Content und Interaktion eines Nutzers im Netz – vom gehörten Album über einen gelesen Artikel bis hin zu einer gekauften DVD in einem Online-Shop – auf dem Nutzer-Profil verewigt werden. Während Last.fm und andere Dienste dieser Art nie wirklich über ein Nischendasein hinaus gewachsen sind, hat Facebook bereits die kritische Masse an Usern, um diese Art der Interaktion mit Inhalten im Web selbstverständlich werden zu lassen, wie es bereits mit den Status-Updates und Location-Check-ins geschehen ist.

Spannend ist diese Entwicklung natürlich auch aus Unternehmensperspektive: ein hoher Grad an Interaktion und Sichtbarkeit, sich selbst verbreitende Botschaften und Inhalte – ein Traum für jede Marke. Den Nutzern begehrlichen Branded Content und innovative Applikationen und Interaktionsmöglichkeiten z. B. mit Inhalten auf der eigenen Website oder in Kampagnen zur Verfügung zu stellen, wird in den nächsten Jahren die wichtigste Aufgabe im Social Marketing Bereich sein – neben der bereits begonnenen Öffnung der Unternehmen hin zu mehr Dialog und Offenheit den Kunden gegenüber.

Die forcierte Öffentlichkeit und ihre Folgen

So faszinierend das Innovationstempo und die konsequente Vernetzung von Inhalten mit Userprofilen auch sein mögen, so bedenklich sind dabei auch die Aspekte Datenschutz und forcierte Öffentlichkeit. Facebook bewegt sich klar in eine Richtung, in der die öffentliche Darstellung der eigenen Persönlichkeit im Netz selbstverständlich sein soll, ohne die Nutzer ebenso konsequent darüber aufzuklären, dass eine derart massive Aggregation an persönlichen Daten an einer zentralen Stelle ein enormes Risiko darstellen kann. Die Auseinandersetzung zwischen Facebook und dem Kieler Landeszentrum für Datenschutz um den Like-Button oder die aktuelle Kontroverse um die Facebook-Cookies, die selbst nach dem Logout auf der Plattform weiter tracken, auf welchen Seiten die Nutzer sich im Netz bewegen, werden nicht die letzten gewesen sein. Keine einfache Situation für Unternehmen und Agenturen, die rechtliche Stolperfallen bei der Nutzung von Facebook vermeiden wollen.

Auch wenn inzwischen die ersten bekannteren Vertreter der deutschen Netzgemeinde von Facebook Abschied nehmen – langfristig wird kritischen Usern wohl nur die Wahl zwischen “großem Social Network und Öffentlichkeit” oder “kein Social Network” bleiben. Denn wo die Reise hingeht, ist auch beim neuen Facebook-Konkurrenten Google+ relativ klar – zumindest wenn es nach Google Chairman Eric Schmidt geht: Für ihn ist Google+ ein Identity-Service und die Verwendung von Pseudonymen ist bewusst nicht erwünscht.

Während ein Zuviel an Öffentlichkeit für die Nutzer eher abschreckend wirkt und eine der Hauptforderungen an Facebook mächtigere und zugleich leichter verständliche Privacy-Einstellungen sind, ist diese Öffentlichkeit für Marken mehr als wünschenswert. Noch bleibt abzuwarten, was Facebook für die Unternehmensseiten plant; es ist jedoch davon auszugehen, dass alle (wenn nicht noch mehr) der neuen Funktionen auch dort verfügbar sind und es für Marken noch einfacher wird, ansprechende Fanpages mit einer Vielzahl von Funktionen zu erstellen. Wie Fanpages in Zukunft aussehen könnten, hat das Tech-Blog Mashable in einer kleinen Bildergalerie zusammengestellt.

Facebook für Unternehmen weiterhin die erste Wahl

Im Schatten der großen Ankündigungen von Facebook haben auch VZ-Netzwerke einen Relaunch der eigenen Plattformen angekündigt; heute soll die Testversion live gehen. Nach zwölf Monaten Programmierung startet eine geplante Testphase von sechs bis neun Monaten, in der die Funktionen zusammen mit den Nutzern  optimiert werden, bevor die endgültige Umstellung erfolgen soll. Mitte 2012 werden die VZ-Netzwerke dann also vom Funktionsumfang zu Facebook aufgeschlossen haben – wenn auch nur zum Stand von 2009. Nutzer von Facebook zurückzugewinnen ist nach eigener Aussage auch gar nicht geplant, man konzentriert sich auf die Nische und will versuchen, die bestehenden Nutzer zu halten – das wird schwierig genug werden.

Auch wenn die Unternehmensseiten von Google+ mit Spannung erwartet werden und MySpace in den nächsten Tagen die große Rundumerneuerung vorstellen will – derzeit bleibt Facebook für Marken die wichtigste Plattform im Social Web; mit den umfassendsten technischen Möglichkeiten und der größten Nutzerbasis.

Allein unter Pressesprechern: Ein Werber auf dem Kommunikationskongress23.09.2011

Durch die deutsche Kommunikationslandschaft geht ein tiefer Riss. Auf der einen Seite die Werber: halb Künstler, nervös, häufig düster bebrillt und seit Jahrzehnten besessen von der Mission, die Werbung besser zu machen. Auf der anderen Seite die PR-Leute: geschmeidig, kontaktfreudig wie halbwüchsige Welpen und süchtig nach immer neuen Kontakten.
Diese beiden Gruppen bestimmen zu großen Teilen, wie Kommunikation in Deutschland funktioniert. Und trotzdem kennen sich Werber und PR-Leute kaum. Zeit für ein Experiment. Ich, als sozialisierter Werber, ging auf den Kommunikationskongress.

Was ist eigentlich der Kommunikationskongress? Das was für den Werber der ADC, den Autobauer die IAA oder den Staatspräsidenten die UNO ist: Ein Ort, wo sich endlich alle PR-Leute mal wieder treffen können. Und außerdem ist der Kommunikationskongress der beste Ort, um Vorträge zu halten. Denn was die PR-Leute fast noch lieber machen, als Kontakte knüpfen, ist Vorträge halten. Im Berliner Kongress-Zentrum, wo der Kommunikationskongress stattfindet, herrscht die vermutlich höchste Vortragsdichte pro Quadratmeter auf diesem Planeten. Man hat die Wahl zwischen geschätzt 500 Vorträgen, die alle zeitgleich stattfinden. Mal abgesehen davon, dass beim Kontakte knüpfen, sich so mancher frisch geknüpfte Kontakt dadurch profiliert, dass er spontan einen Vortrag hält. (Kleiner Tipp: Wer selbst einen Vortrag halten will, sollte sich eigenhändig ein paar Zuhörer besorgen. In kleineren Auditorien besteht sonst die Gefahr, dass man sich selbst einen Vortrag hält.)

Und noch etwas fällt auf, wenn man auf den Kommunikationskongress geht. Etwas, was Werber erschüttern sollte: Die Macht gehört den PR-Menschen. Sie sitzen an den Schalthebeln der Kommunikationsabteilungen. Die Werber hingegen in ihren Agenturen.  Es gibt ja die Theorie, dass jeder Mensch mit jedem anderen Menschen über sechs Ecken bekannt ist. Dass diese Theorie wahr ist, zeigt sich daran, dass Werber Unternehmensvorstände tatsächlich nur über sechs Ecken kennen. Der PR-Mensch hingegen sitzt beim Vorstand auf dem Schoß. Die wahren Karriereleitern führen nämlich vom Volontariat bei der örtlichen Kreiszeitung über eine PR-Agentur hinauf in den Olymp des Leiters Unternehmenskommunikation bei einem internationalen Milliarden-Konzern. Das ist die Situation.
Und was machen wir Werber aus dieser Situation? Wir sollten öfter auf den Kommunikationskongress gehen. Brücken bauen für die wahrhaft integrierte Kommunikation. Und Visitenkarten sammeln um endlich jemand zu kennen, der den Vorstand kennt. Und natürlich Vorträge anhören. Man lernt ja nie aus!

In der Kommunikation und im Marketing der Gegenwart zählt jede Sekunde15.07.2011

Wie sieht ein gemütlicher Abend von Anne Lerig aus? Nachdem sie ihre zweijährige Tochter Lilly ins Bett gebracht hat, macht sie es sich zu Hause auf dem Sofa gemütlich und zappt durch das TV-Programm. Doch nicht nur das: Auf ihrem Schoß hat sie ihr MacBook, auf dem sie zeitgleich mit ihren Freunden auf Facebook oder Google+ chattet, Hotels für den nächsten Urlaub auf TripAdvisor vergleicht oder auf Amazon bestellt (mit Vorliebe DVDs ihrer Lieblingsserien). Manchmal lästert sie auf Twitter über das, was gerade im Fernsehen läuft. Häufig gesellt sich ihr Mann Thomas dazu, mit seinem frisch erstandenen iPad in der Hand: Damit liest er seine E-Mails, stöbert im App-Store und checkt auf Foursquare, wo sich seine Freunde rumtreiben.
Während sie also gemütlich gemeinsam fernsehen, chatten, twittern, shoppen und e-mailen vergessen sie auch nicht, sich zu unterhalten: zum Beispiel über den anstehenden Autokauf. Thomas recherchiert seit Monaten im Internet nach einem Auto für seine dreiköpfige Familie. Anne hätte gerne wieder einen MINI, er aber liebäugelt mit einem BMW.

Okay, das also soll ein Fernsehabend sein? Ja, ist es. Sogar ein typischer – für unser neues Jahrzehnt.

Anne und Thomas gehören zu den Testpersonen, denen wir mit unserer Marktforschung immer wieder über die Schulter schauen (und dazu eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre schaffen). Wir beobachten, wie die Konsumenten alte und neue Medien in ihren Alltag integrieren. Annes und Thomas’ Verhalten ist ein Paradebeispiel für das, was auch weitere  Studien belegen: Die Mediennutzung der Verbraucher ändert sich. Grundlegend und rapide.

Das bedeutet für mich als Chef einer Agenturgruppe: Auch die Kommunikation muss sich verändern. Ebenso grundlegend und rapide. Sonst erreichen wir niemanden.
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